Wir Menschen übersetzen Hunde oft falsch!
Wie unsere eigene menschliche Biografie, unser Weltbild und unsere Psyche Einfluss auf das Leben und trainieren mit Hunden hat.

Realität versus Wirklichkeit

Quelle:fb/learningpetals

Jeder Mensch sieht die Welt anders! Keiner hat eine objektive Wahrnehmung der Welt! Jeder Mensch sieht seine Wirklichkeit. Seine Wirkung der Welt auf ihn. Die Weltwahrnehmung wird dadurch bestimmt, was wir bereits alles gesehen haben, was wir für Werte und Gefühle haben, wie wir erzogen worden. Ich zum Beispiel habe als Kind gelernt, manchmal still sein zu müssen.

Erwartungen an sich und an den Hund bewusst werden

Was ich als Kind erlebt habe, hat nun auch Einfluss auf den Umgang mit meinen Hunden. So stört es mich zum Beispiel ziemlich schnell, wenn meine Hunde bellen. Ein anderer Hund kann noch lange Bellen, dies kratzt mich jedoch wenig. Hier geht es darum zu erkennen welche Ansprüche wir Menschen an uns haben, welche Regeln wir als Kinder gelernt haben und wie wir diese meist noch unbewusst auf unsere Hunde übertragen. Sobald man sich dessen bewusst wird, kann man daran auch etwas ändern. Was mir oft hilft, ist zu denken, dass nicht MEIN Hund bellt, sondern, dass das EIN Hund ist, der bellt. Und ich denke auch oft, ob das nicht einfach normales hündisches Verhalten ist. Dann wird mir meist sogar bewusst, nur weil ich ab und zu Mühe habe mein Maul zu halten, ich dies nicht auf meine Hunde übertragen muss. Wenn ich nämlich jedes Mal angespannt werde, wenn meine Hunde bellen, dann spüren sie das und werden selber auch angespannter. Dies ist sicher kontraproduktiv und es würde viel mehr helfen, wenn ich in meinen Kopf visualisiere, was ich lieber hätte, als mich über das Unerwünschte zu ärgern.

Wir sehen nur das, was wir sehen wollen

Mir fällt es oft auf, wie schnell Menschen einem Lebewesen irgendein Label aufdrücken. Zum Beispiel, der Hund ist ängstlich, der Hund ist nervös….
Dies ist eigentlich sehr hinderlich! Jedes Wort und schon nur jeder Gedanke hat eine Wirkung. Wenn wir als Mensch einen ängstlichen Hund sehen, dann ist er ängstlich. Das Wort „Ängstlich“ wird nun unsere ganze Sichtweise auf den Hund ändern. Wir setzen nun die Aufmerksamkeit auf die Angst. Der Hund ist abgestempelt und hat viel weniger Wahl anders zu reagieren.

traurig, deprimiert oder doch nur gelangweilt? Weiss ich nicht!

Unsere Gedanken kreieren unsere Wirklichkeit

Wenn man nicht gleich mit der Interpretation beginnen würde, sondern zuerst beschreibt, was man wahrnimmt, dann kann man dem Hund viel mehr Möglichkeiten geben anders zu reagieren. Am sinnvollsten ist es, zu beschreiben und dann auch zu denken, wie man das Verhalten positiv beeinflussen kann.
Ein Beispiel: Ich sehe einen Hund, der den Schwanz einzieht. Wieso wohl? Weil eine schwere Leine mit einem grossen Karabiner an ihm hängt und der Halter nicht bemerkt, dass dieser Karabiner den Hund irritiert. So kann ich den Menschen auf das Ganze aufmerksam machen und dieser kann etwas ändern. Falls ich nur gedacht hätte, oh der Hund ist ja ängstlich, so hätte ich mir gar nicht erlaubt, nach den Umständen für das ängstliche Verhalten zu suchen.
Ausserdem macht es auch einen riesigen Unterschied ob man sagt, der Hund verhält sich gerade ängstlich oder der Hund IST ängstlich. Auch wir Menschen reagieren sicher in vielen Situationen ängstlich! Heisst das, dass wir von der Persönlichkeit her ängstlich sind? Oder heisst das nicht viel mehr, dass wir, wenn es angemessen ist mit unsicherem Verhalten reagieren.

Ein anderes Beispiel die Gedanken zu ändern: „Hund sieht was zum Jagen!“
Es ist ganz menschlich aber sehr hinderlich, sobald ein Hund Wild sieht, denken die meisten Menschen „ach du Scheibenkleister“…. Stattdessen wäre es für den Hund viel einfacher, wenn wir Menschen denken würden: „Aaah, spannend, ein Reh, wie soll mein Hund darauf reagieren?“ Ah er soll zurück zu mir schauen und bekommt dann dafür sogar noch ein Leckerchen. Die meisten Menschen stellen sich jedoch vor, wie der Hund dem Wild hinterherhetzt, was er dann auch meistens beginnt. Nur so, by the way… Weil ich mir zu wenig gut visualisieren kann, wie meine Hunde eben nicht dem Wild hinterherjagen sondern bei mir bleiben, bleiben meine Hunde oft an der Leine, vor allem in Gebieten, wo es Wild oder Katzen hat. Ganz gegen die Natur können wir auch nicht kämpfen, jedoch ist die Gedankenkraft sicher nicht zu unterschätzen!

Einfluss der menschlichen Psyche auf das Hundeverhalten

Nachdem man die halbe Nacht nicht geschlafen hat und zusätzlich mit dem falschen Fuss aufgestanden ist, wird man sicher gereizter reagieren, als nach einem Wellness-Wochenende. So finde ich es äusserst wichtig, sich über seinen eigenen Gemütszustand im Klaren zu sein und die eigenen Probleme nicht am Hund auszulassen. Jedoch weiss ich, dass dies nichts als menschlich ist. Ich glaube auch, dass viele Menschen versuchen, ihre Hunde hinters Ohr zu führen. Wenn wir wütend auf unsere Hunde sind und dies über Worte zu überdecken versuchen, so werden dies wohl die wenigsten Hunde glauben. So sollten wir vor einem Spaziergang zuerst vielleicht eine Atemübung machen, um bei sich zu sein und die eigene Anspannung abzubauen.

Hunde spiegeln uns  

Es ist für Hunde sehr schwierig, wenn ich als Mensch gar nicht weiss, was ich vom Hund will. So werde ich als Mensch unklar und der Hund wird dies mit Sicherheit spiegeln. Hunde brauchen unsere Unterstützung. Dies beginnt bei unseren Gedanken. Wir Menschen müssen wirklich klare Bilder haben, wie wir unsere Hunde sehen wollen. Dies hilft den Hunden enorm und wir Menschen erkennen so auch die Fortschritte besser. Unsere schnelllebige Gesellschaft unterstütz nur selten Werte wie Ruhe und Ausgeglichenheit. Doch genau dies brauchen wir Menschen und unsere Hunde sehr fest. So sehe ich es als dringende Aufgabe für meine Hunde ein sicherer Anhaltspunkt zu sein. Ich will, dass meine Hunde mich als Vorbild sehen und sich an mir orientieren, aber trotzdem immer noch eigenständig reagieren können. Wir Menschen brauchen eine spezielle Ausstrahlung. Oft nenne ich dies natürliche Autorität. Damit meine ich, eine Ausstrahlung und ein Auftreten zu haben, das Sicherheit vermittelt und dem man freiwillig folgen will.

Offen sein und beginnen zu hinterfragen

Leider sind zum Beispiel Menschen, welche Tierkommunikation machen oft durch Bücher geprägt, die noch vom Dominanzgetue der Hunde ausgehen. So wird ihre ganze Wahrnehmung durch diese Art geprägt sein. Tief im Herzen denken die Menschen meist anders. Doch was wir von Experten lesen, soll doch mehr zählen, als unser Bauchgefühl?!? Wissen ist gut, mehr Wissen ist besser. Selber mitdenken ist noch viel besser. Ich habe schon als Kind begonnen haufenweise Hundebücher in mich reinzustopfen. Mittlerweile lese ich auch ab und zu Bücher „der anderen Fraktion“. Auch aus diesen Büchern versuche ich etwas Gutes zu nehmen und zu schauen, wie die Menschen auf ihren Standpunkt gekommen sind und wo sie vielleicht einen Denkfehler gemacht haben. Wer jedoch die Wissenschafts-Geschichte kennt, weiss, dass man in hundert Jahren über unsere aktuellen Studien und Erkenntnisse lachen wird. So finde ich es hilfreich, sich auch mehr auf sein Bauchgefühl und seine Intuition zu verlassen. Schliesslich wird man noch vieles, lange nicht durch die momentane Wissenschaft erklären wollen.

Last but not least

Jeder/Jede hat einen Hund, der zu seinem Leben passt

Mir gefällt der Gedanke, dass ich viel von und durch meine Hunde lernen kann und auch andersrum.

In diesem Sinne überlegt euch mal, durch welche Brille ihr eure Hunde anschaut und ob man vielleicht die Korrektur der Brille etwas ändern könnte? Vielleicht helfen auch Brillenputztücher 😉

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